600 Jahre Geschichte – und Kontinuität, die bisher nie erwähnt wurde. Wer die Chronologie der BLUME. genau liest, entdeckt: In den entscheidenden Momenten waren es oft Frauen, die das Haus gerettet, gehalten und weitergeführt haben. Diese Geschichte verdient es, erzählt zu werden.
Josephine Borsinger-Herr
verwitwet, schwanger – und Wirtin
1853 stand Josephine Borsinger-Herr vor einer Situation, die viele zerbrochen hätte: Ihr Mann war gestorben, sie war schwanger und plötzlich allein verantwortlich für ein ganzes Hotel. Aufgeben? Nicht in der BLUME. Sie übernahm den Betrieb und führte ihn weiter, bis sie ihn an die nächste Generation übergeben konnte. Eine Frau, die in einer Männerwelt das Haus über Wasser hielt – im wahrsten Sinne der Bäderstadt.
Mathilde Borsinger-Müller
38 Jahre und ein Buch für die Ewigkeit
Ihre Schwiegertochter Mathilde wurde zur prägendsten Figur des Hauses. 1871 heiratete sie Franz Xaver Borsinger, gemeinsam gestalteten sie die BLUME. in der Blütezeit der Belle Époque – mit dem berühmten Atrium, dem Jugendstilsaal, dem Damensalon und dem Schindler-Lift von 1897/98.
Dann, am 6. August 1897, der jähe Einschnitt: Franz Xaver verliess mitten im Gespräch das Büro und brach kurz darauf zusammen. Ein Herzinfarkt setzte seinem Leben ein plötzliches Ende. Von einem Moment auf den anderen stand Mathilde allein da – und führte das Haus von nun an weiter. Insgesamt war sie 38 Jahre lang die Seele der BLUME.
Ihr grösstes Vermächtnis aber ist ihr Silvesterbuch: Jahr für Jahr, jeweils am Silvesterabend, hielt sie fest, was das vergangene Jahr gebracht hatte. So entstand ein einzigartiges Zeugnis – von der Grippe-Pandemie 1889, die dem Hotel das Geschäft verdarb, über den ersten Zeppelin am Himmel über Baden 1911 bis zum Bau des neuen Lifts. Dank Mathilde wissen wir heute, wie das Leben in der BLUME. damals war. Wäre sie nicht gewesen, läge ein Jahrhundert im Dunkeln.
Heidi Erne
die Frau, die alles neu aufbaute
Und damit zur jüngsten Geschichte der BLUME. 1972 erwarben Heidi Erne und ihr Mann Johann Rudolf das Haus – in einem desolaten Zustand: ein undichtes Glasdach, im vierten Stock keine Heizung, nur wenige Zimmer mit Bad. Die ausgebildete Hotelière krempelte die Ärmel hoch. Am 1. April 1973 eröffnete das Paar die BLUME. neu – und von da an wurde Schritt für Schritt renoviert und erneuert.
Als ihr Mann starb, gab Heidi Erne nicht auf – wie Josephine und Mathilde vor ihr. Sie blieb Besitzerin und Investorin und sorgte dafür, dass das Haus über die Jahrzehnte fachgerecht erhalten blieb. 2002 übergab sie die Führung an ihre Söhne Silvio und Patrik, die die BLUME. heute in zweiter Generation führen. Ohne Heidi Erne stünde das Haus nicht da, wo es heute ist.
Ein Muster, das bis heute trägt
Josephine. Mathilde. Heidi. Drei Frauen, über anderthalb Jahrhunderte verteilt, verbunden durch dasselbe: Sie übernahmen Verantwortung, als es niemand sonst tat, und hielten das Haus zusammen – gerade dann, als sie früh verwitwet allein dastanden. In einer Branche, in der Frauen lange selten an vorderster Front standen, prägten sie die BLUME. wie kaum jemand sonst. Sie standen selten im Rampenlicht, und doch wäre die BLUME. ohne sie nicht, was sie ist: ein Haus, das strahlt, weil Frauen es immer wieder zum Blühen brachten.

© Sabrina Golob | sabrinagolob.ch | 2023
HOTEL Blume, Baden











